Arbeitskreis Leben

Hilfe für Menschen in seelischer Not:
Zur Geschichte des AKL Nürtingen-Kirchheim

Menschen zu helfen, die sich in extrem bedrängender Situation befinden, sich vielleicht sogar mit Suizidgedanken quälen, setzte den Impuls für den Aufbau der Telefonseelsorge. Aus dieser Grundidee entwickelte sich Ende der 70er Jahre die Gründung des ersten Arbeitskreis Lebens in Tübingen. Mitarbeiter der dortigen Telefonseelsorge wollten in suizidalen Krisensituationen einen direkten persönlichen Kontakt zum Ratsuchenden herstellen. Das Prinzip war und ist auch heute noch, durch das Angebot einer Begleitung Menschen in einer Krise beizustehen. Im Weiteren wurde die Notwendigkeit gesehen, ein solches Angebot auch im Kreis Esslingen (in Nürtingen und Kirchheim) aufzubauen. So wurde im Januar 1983 der hiesige AKL gegründet. Gleich nach der Gründung wurde eine Ausbildungsgruppe für ehrenamtliche Krisenbegleiter*innen angeboten.

Es war und ist beeindruckend, das Engagement so vieler Menschen zu erleben, die ihre mitmenschlichen Kompetenzen vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen – und unter Einsatz eines beachtlichen Teils ihrer Freizeit – im AKL einbringen. 1984 wurde das Angebot der Krisenbegleitung erweitert um den AKL-Treff, ein offenes Café zum Austausch für Menschen in und nach Krisen sowie Einsame. Einen bedeutsamen Entwicklungsschritt in der Präventionsarbeit ging der AKL 2012, als er das Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ in seine Angebote aufnahm.

Seit Mitte der 80er Jahren ist der AKL Nürtingen-Kirchheim mit seinen beiden Beratungsstellen als Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen anerkannt. Diese Anerkennung sorgte für öffentliche Zuschüsse des Landkreises. Daneben gibt es Förderung durch das Land Baden-Württemberg und die Gemeinden. Leider sind diese Gelder nicht annähernd ausreichend, um die nachhaltigen Angebote des AKL dauerhaft zu sichern. Bereits Mitte Juli des Jahres müsste der AKL seine Arbeit einstellen, nur so lange reicht die öffentliche Förderung. Jedes Jahr aufs Neue muss daher viel Zeit und Engagement in die Gewinnung von Eigenmitteln investiert werden.

AKL- Krisenbegleiter – Weggefährten in schwieriger Zeit

Die freiwilligen Krisenbegleiterinnen und Krisenbegleiter bilden ein Herzstück des Vereins. Sie arbeiten mit den pädagogisch-therapeutischen Fachkräften des AKL Hand in Hand und bringen ihre persönlichen und beruflichen Lebenserfahrungen ein. Die Ehrenamtlichen verstehen sich als verlässliche Gesprächspartner*innen und Weggefährten für die Zeit der Krisenbewältigung und begleiten die Betroffenen zurück in einen selbständigen Alltag. Unsere Ehrenamtlichen werden für ihre herausfordernde Aufgabe fundiert qualifiziert und in 14-tägigen Supervisionsgruppen durch Fachkräfte begleitet. Soweit finanzierbar findet jährlich ein Fortbildungswochenende für die Aktiven statt.

AKL-Treff – Begegnung und Austausch

Soziales Miteinander, die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und damit die Befriedigung von menschlichen Grundbedürfnissen stehen im Fokus des AKL-Treffs.  Jeder ist willkommen, er wird akzeptiert, wie er ist. Mit diesem Angebot eines offenen Treffpunkts für (chronisch) psychisch kranke Menschen, Kontaktsuchende und Einsame sowie für Menschen in und während Krisen realisieren wir eine niederschwellige Begegnungsmöglichkeit. Der Montagnachmittag ist für viele Besucher*innen ein Highlight der Woche: Nicht alleine sein, einen Gesprächspartner finden oder auch nur anderen zuhören.

Ihre Ansprechpartnerin:

Ursula Strunk
ursula.strunk@ak-leben.de

Projekt Arbeitskreis Leben e.V.:

„Verrückt? Na und!“ – Psychische Gesundheit junger Menschen stärken

Psychische Erkrankungen werden in den letzten Jahren stärker wahrgenommen – auch bei Kindern und Jugendlichen. Eltern und Lehrkräfte sind immer häufiger und früher mit Themen wie Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten, Ängsten konfrontiert. Kinder und Jugendliche sind auch massiv betroffen, wenn psychische Erkrankungen in ihrem Umfeld bestehen, z.B. bei Familienangehörigen und Freunden.

Vor diesem Hintergrund entschloss sich der AKL, konkrete Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit im Lebensraum von jungen Menschen aufzubauen. Ziel ist es, Raum und Bewusstsein für eine frühzeitige Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit zu schaffen. Hier ist auch wichtig zu wissen, dass Jugendliche und junge Menschen eine Gruppe mit besonders hohem Suizidrisiko darstellen. Bei jungen Männern im Alter bis zu 20 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache nach dem Unfalltod.

Es ist es unser Ziel, uns an möglichst vielen Schulen in der Region mit dem Projekt „Verrückt? Na und!“ zu engagieren. Bei den Schulworkshops wirken Ehrenamtliche mit, die als sogenannte Lebenslehrer*innen modellhaft über gelingenden Umgang mit psychischer Erkrankung berichten und für alle Fragen zur Verfügung stehen.

Den jungen Menschen soll dabei erlebbar gemacht werden, wie sie ihre eigenen Belastungsgrenzen erkennen und wie sie selbst einen Weg aus dieser Gefahrenzone finden können. Es geht um die Stärkung einer gesunden und förderlichen Selbststeuerung.

Neben der individuellen Stärkung geht es auch um die Schulgemeinschaft im Sinne der Unterstützung des gesunden Miteinanders im Lebensraum Schule. Ein weiterer positiver Effekt ist die Vernetzung zwischen Schule und Arbeitskreis Leben: Die Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen finden später bei Bedarf leichter den Zugang zu den Unter­stützungsmöglichkeiten des AKL. Das gilt auch für die Schüler*innen: Im Workshop lernen sie den AKL und eine AKL-Mitarbeiterin kennen; das senkt die Schwelle zur Kontaktaufnahme, falls Unterstützung notwendig wird.